Markus Albers — Journalist & Autor
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von Markus Albers
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Was soll ich denn bitte mit einem Virtuellen Persönlichen Assistenten?

Dies ist Teil II des Gastbeitrags von Bastian Kröhnert, der auf seiner Seite Outsourceyourlife darüber bloggt, wie man – der Titel sagt es ja schon – weite Teile seines Lebens an andere deligieren kann. Bastian lässt es nicht bei der Theorie: “Noch diesen Sommer” will er zusammen mit einem Geschäftspartner einen Service starten, der es deutschen Kunden ermöglicht, so genannte Virtuelle Persönliche Assistenten (VPAs) zu buchen. Also Dienstleister, die einem mühsame oder unattraktive Aufgaben abnehmen, so wie ein Assistent für den Geschäftsführer oder den Popstar Dinge erledigt. Wie das konkret aussehen kann und wozu man so einen VPA überhaupt brauchen soll, erzählt Bastian nun. Den ersten Teil des Beitrags kann man hier lesen.
“Wenn ich von Virtuellen Persönlichen Assistenten erzähle, reagieren die Leute sehr unterschiedlich. Einige schauen mich verdutzt an und fragen “Und was sollen die Assistenten dann machen?”. Ich gebe ihnen ein paar Beispiele, sie nicken zustimmend und dann wechseln wir das Thema.
Andere sind sofort begeistert von dem Gedanken, einen eigenen Assistenten zu haben. Mit funkelnden Augen malen sie sich aus, welcher Lifestyle für sie möglich wäre, wenn sie mobil arbeiten könnten und sich nicht mehr mit einfachen, langweiligen Aufgaben aufhalten müssten.
Sicherlich gehört eine Menge Mut und Offenheit dazu, Teile seines Lebens an einen tausende Kilometer entfernten Assistenten auszusourcen. Deswegen werden VPAs in Deutschland wahrscheinlich mittelfristig kein Massenphänomen werden. Wer aber etwas von Delegation und Menschenführung versteht und bereit ist, einige Konventionen zu brechen, dem bieten neue Technologien und die zunehmende Globalisierung erstmals die Möglichkeit, sich einen Lifestyle aufzubauen, von dem man vor zehn Jahren nur hätte träumen können. Arbeiten von jedem Ort der Welt aus. Geld verdienen, ohne selber zu arbeiten. Ein Unternehmen aufbauen, ohne investieren zu müssen …
Wo sind die Grenzen des Outsourcings? Einige Menschen, denen ich von virtuellen Assistenten erzähle, scheinen mir nur aufzählen zu wollen, was man als Privatmann alles nicht outsourcen kann. Ich erzähle dann immer gerne von Tim Ferriss’ “Outsource your Dating Life”-Experiment.
Ein Freund von Ferriss wollte ihn bei einem Glas Wien ebenfalls davon überzeugen, dass Outsourcing nur in sehr eng gesteckten Grenzen möglich sei. Als Extrembeispiel brachte er das Thema Dating. Er meinte, es sei unmöglich Frauen kennenzulernen, ohne selber aus dem Haus zu gehen und aktiv zu werden.
Der Autor nahm die Herausforderung natürlich an. Er formulierte eine DIN A4-Seite mit Anforderungen, die er an Frauen stellte und schickte diese Anweisungen mit einem Lebenslauf und ein paar Fotos von sich an mehrere VPA-Teams in verschiedenen Ländern rund um den Globus. Die Assistenten richteten ihm Profile auf den größten Online-Datingportalen ein und fingen an, Frauen anzuschreiben. Das Experiment lief vier Wochen und tatsächlich hatte er am Ende dieser Phase 20 Dates mit attraktiven Frauen.
Das Beispiel spricht sicherlich nicht jeden an. Wer an Schicksal und Liebe auf den ersten Blick glaubt, wird von diesem Experiment eher abgeschreckt sein. Allerdings macht es deutlich, dass fast jeder Bereich des eigenen Lebens ausgesourct werden kann.
Ein paar Beispiele, die auch für hoffnungslose Romantiker greifbar sind, wären die Recherche nach Infomaterial für eine Präsentation, der Vergleich verschiedener Reiseanbieter und die Buchung eines Urlaubstrips oder das Hochladen einer Jobanzeige im Internet. Es gibt täglich so viele einfache Aufgaben, die uns nur aufhalten, keinen Spaß machen und nicht wirklich schwierig sind. Heute habe ich zum Beispiel nach einem Freelancer für kleinere Webdesignaufgaben gesucht. Ich hätte selber ein Jobangebot formulieren, nach Jobportalen suchen, mich da anmelden und Profile einrichten und dann meine Anzeige hochladen können. Allerdings habe ich es vorgezogen, diesen Artikel hier zu schreiben und diese Aufgabe mit einer kurzen E-Mail an meine Assistentin abzugeben. Ab morgen füllt sich mein Posteingang dann ganz automatisch mit Bewerbungen, Ihr könnt diesen Artikel lesen und das Ganze hat mich höchstens ein paar Euro gekostet.
Wenn Ihr die aktuellen Möglichkeiten wirklich voll ausnutzen wollt, macht Euch Gedanken darüber, was Euch Eure Zeit wert ist. Stellt Euch die Frage, ob Ihr Euch nicht auch mit vielen Aufgaben aufhaltet, die jemand anders viel günstiger und vielleicht sogar besser erledigen könnte. Und wenn Ihr Euch dafür entscheidet, dass das eigene Leben mehr wert ist als das Privileg, alles selber erledigen zu können und müssen, habt Ihr wahrscheinlich eine Vorstellung von den Möglichkeiten, die sich gerade für Euch auftun.
Weil es in Deutschland zur Zeit nur sehr teure VPAs gibt, habe ich im letzten November damit angefangen, mit meinem Geschäftspartner Simon Barth ein Konzept für virtuelle Assistenten in Deutschland zu entwickeln. Damit wollen wir uns und allen, die dieser Möglichkeit aufgeschlossen sind, die Chance geben, den mobilen Lifestyle auch in Deutschland umzusetzen. Es bringt einfach nichts, einen englischsprachigen VPA bei einem deutschen Zahnarzt anrufen zu lassen. Und wenn der deutschsprachige Assistent für einen Anruf 5 Euro verlangt, habe ich genauso wenig einen Vorteil davon.
Wir werden noch in diesem Sommer virtuelle Assistenten anbieten, die preislich mit den indischen Anbietern konkurrieren können und den ganzen Tag erreichbar sind. Wir werden nicht der erste Anbieter sein, der eine komplett virtuelle Firma aufbaut, aber zum ersten Mal geben wir jetzt jedem unserer Kunden die Möglichkeit, dasselbe zu tun und genauso von Lohnunterschieden zu profitieren wie große Unternehmen. Auch Nicht-Selbstständige können sich ihren Alltag extrem vereinfachen und ihre Arbeitszeit halbieren, wenn sie ihre Aufgaben geschickt delegieren.”
Soweit der Gastbeitrag von Bastian Kröhnert. Was mich angeht: Ich bin sehr neugierig darauf, wie sein Service funktioniert. Osteuropa? Studenten? Mir ist noch nicht klar, wie er das Dilemma aus erschwinglichem Stundenlohn und Deutschsprachigkeit auflösen will. Gerade das macht sein Geschäftsmodell spannend. Wenn’s los geht, werde ich hier natürlich darüber berichten.
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